Von Füchsen und Raben

Fünf. Fünf schwarze Raben habe ich bei mir im Büro. Als Zeichnungen, schwarz gerahmt. Und das freiwillig. Ich mag Raben. Es gab einmal einen Raben auf einem Bild mit einem schwarzen Rahmen, der hing an einer wenig beleuchteten Wand. Und irgendwie hatten einige Menschen sogar Angst vor ihm. Stimmt schon. Besonders fröhlich sah er nicht aus. Aber wer macht sich schon Gedanken um so ein Bild oder schaut genauer hin. Er sollte dann endlich einem anderem, helleren und bunterem Kunstwerk weichen, über Geschmack lässt sich trefflich streiten, jedenfalls stand der Rabe dann hinter einer Tür. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Aufregung um diesen Raben eher belächelt, aber das war mir dann doch zu viel. Was kann der Rabe für den Geschmack der Menschen? Ich missachtete, fürchtete ich, ein paar der geltenden Spielregeln, aber am Ende hing dieser Rabe dann in meinem damaligen Büro. Und siehe das, auf einmal kamen Leute zu mir, nur im sich den Raben mal im Licht anzusehen.

Dass er eine Ledertasche trug mit einem grünen Schößlig, auf den Trümmern rauchender Fabrikschlote stand und Reste von Stromleitungen im Schnabel hatte, das war bis dahin kaum jemandem aufgefallen. Das war mir auch weniger wichtig, er schaute einfach nicht mehr ganz so traurig, Ernst, das ja.

Der Rabe blieb an der Wand, sicherlich hängt er da noch, hoffe ich jedenfalls. Mitgenommen habe ich die Sympathie für Raben, die so gar nicht hinterhältig und gemein sind, Klug, das sind sie. Früher mochte ich diese schwarzen Tiere so gar nicht, ein wenig unheimlich waren sie mir schon auch, so in echt.

Und was ist nun mit dem Fuchs? Füchse mag ich genauso. Weil auch sie so verkannt werden.

 

Ich brauche einen Frosch

Zum Aufhängen. Nein. Keinen echten natürlich. Sondern so ein Plüschviech.

Irgendwann vor langer langer Zeit, muss in einem anderen Leben gewesen sein, hatte ich eine Kollegin, an deren Tür hing so ein Tier manchmal. Und alle wussten, das hieß: Lasst die Tür in Ruh und bleibt draußen. Störungsfreie Arbeitszeit nannte sie das.
Darüber wurde trefflich gelästert. Wo es denn sowas gäbe und so weiter. Nicht das mit dem Frosch, sondern das mit der „störungsfreien Arbeitszeit“ (mit spitzer Betonung auf „Stör“). Ihr gegenüber traute sich das keiner offen zu sagen (was ich nie so richtig verstanden habe).

Meistens lästern Menschen wenn sie andere nicht verstehen können oder wollen. Ich denke manchmal an diesen Frosch. Weil ich ihn nicht brauche, sondern weiß, ich brauche nur den Kopf aus der Tür zu stecken und zu sagen: Ich bin nicht da. Und schon bewachen zwei ganz liebe, fleißige und erfahrene und geduldige (und das mit einen großen Ausrufezeichen) Menschen. Die ich immer stören darf, die nie genervt gucken, egal ob ich sie gerade aus einer Arbeit herausreiße wenn es wieder mal heißt … Frau Langer oder Frau Tauber, ich hätte mal eine Bitte …

Danke dafür, dass ich keinen Frosch brauche.