Zum Jahreswechsel

Es liegt in diesem Vergänglichkeitsgedanken, der wohl jeden in der letzten Jahresstunde erfasst, etwas Ungeheueres, wovor unsere Seele erschrickt.
Theodor Storm

Das Jahresende ist kein Ende und kein Anfang, sondern ein Weiterleben mit der Weisheit, die uns die Erfahrung gelehrt hat.
Hal Borland

Das neue Jahr steht mit seinen Forderungen vor uns; und gehen wir auch gebeugt hinein, so gehen wir doch auch nicht ganz mit leeren Händen unseren Weg.
Sören Kierkegaard

Neujahrswunsch: Weniger Rede, mehr Gedanken, weniger Interessen, mehr Gemeinsinn.
Walther Rathenau

An die Freude

O Freunde, nicht diese Töne!
Sondern laßt uns angenehmere
anstimmen und freudenvollere.

Freude! Freude!

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum!
Deine Zauber binden wieder
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!

Ja, wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!

Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur;
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.

Küsse gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod;
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.

Froh, wie seine Sonnen fliegen
Durch des Himmels prächt’gen Plan,
Laufet, Brüder, eure Bahn,
Freudig, wie ein Held zum Siegen.

Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahnest du den Schöpfer, Welt?
Such’ ihn überm Sternenzelt!
Über Sternen muß er wohnen.

Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Freude, schöner Götterfunken
Tochter aus Elysium,
Freude, schöner Götterfunken, Götterfunken.

In einem kleinen Städtchen

ganz weit weg hinter den Bergen in einem wundervollen Tal, da schworen einstens wackere Bürger, von nun an solle alles anders werden. Die einstige Königin habe ihren Hofstaat recht herrisch regiert, so ging die Sage, die braven Bürger nicht gefragt, ja sogar in Hinterzimmern habe sie gekungelt. Die wunderschöne Landschaft sei mit Wackersteinen so vollgepflastert worden, dass man glaube, es handele sich um ein Schnittmuster aus der Hofschneiderei! Im Schlosse, oh welch Grausen, herrschte ein rauher Ton. Was die Königin befahl, das habe zu geschehen gehabt. Und immer und überall sei der Hofkämmerer zu gegen gewesen, ein böser Mann, dem man nicht trauen könne, so sagten die wackeren Bürger.
Welch Jubel, welche Freude, als die Königin einstens abdankte! Nun solle alles anders werden. Eitel Freude sollte herrschen, ein jeder den anderen lieben und wenn dies nicht möglich seie, so wolle man sich doch mit Respekt und Achtung begegnen. Und vor allen solle niemals nie mehr irgendwer sich wie ein Herre aufführen und Befehle erteilen oder gar durchregieren! Künftig hin solle man wie einstens König Arthur sich mit allen an einen Tisch setzen, wenn es an der Zeit wäre, wichtige Entscheidungen zu treffen. So geht die Sage. Aber leider leider kam ein großer Wind über unser glückseliges Städchen, der brachte Böses mit. Den Staub des Vergessens. Denn als es an der Zeit war, da hatten die wackeren Bürgerchen vergessen, was sie einstens versprachen. Sie traueten einander nicht über den Weg. Sie bewarfen einander mit faulen Eiern. Sie waren sich nicht zu blöde, sich gegenseitig zu beleidigen.Und baten den neuen König, dass er doch einen kleineren Tisch nehmen solle. An den nicht alle passen.

Begreife gefälligst … diesen Denkanstoß

Wie „überzeugt“ man am besten? Mit Vernunft? Wir Menschen halten uns für rational. Es zählt das “vernünftige Argument”. Emotionen oder aus unserer sicht „unvernünftige“ Sichtweisen, Ängste, Befürchtungen, Haltungen werten wir gern ab und versuchen, mit einem zwingenden Argument, die Objektivität als Referenz, zu überzeugen. Insbesondere geschieht das dann, wenn wir jemanden überzeugen wollen, etwas zu tun oder zu denken was wir gern möchten. Situationen, in denen es um die Durchsetzung von Interessen geht, bergen in sich ein Konfliktpotential, die ursache liegt in der grundsätzlichen Annahme, dass es so etwas wie Objektivität gibt, so etwas wie Rationalität. Die konstruktivistischen Sichtweise rät, als davon auszugehen, dass auch der andere mit gleichem Recht davon ausgeht, Recht zu haben und seine „objektive“ Sichtweise die richtige ist: „Wollen wir mit der anderen Person koexistieren, müssen wir sehen, dass ihre Gewissheit – wo wenig wünschenswert sie uns auch erscheinen mag – genauso legitim und gültig ist, wie unsere. Wie unsere Gewissheit ist auch die Gewissheit des Anderen Ausdruck seiner Bewahrung der Strukturkoppelung in einem Existenzbereich – so wenig verlockend uns dieser Bereich auch erscheinen mag. (Maturana 2009) Sich überzeugen lassen ist nach dem konstruktivistischen Verständnis eine immense Leistung, es ist ein Handeln gegen das eigene Interesse.
Vielleicht ein Denkanstoß. Denn: Überzeugen müssen wir.

Du siehst das falsch

Das menschliche Alltagsbewusstsein ist bestimmt von der Annahme, dass die Welt so ist, wie sie ist, dass es eine zugängliche objektive Realität gibt, die erkennbar und beschreibbar ist. Wir gehen davon aus, dass das, was wir sehen und hören, ein genaues Abbild einer externen und tatsächlich vorhandenen Realität ist und dass „die anderen“ als logische Folge, dasselbe sehen, hören.
Die Annahme, dass Wahrnehmungen mit der „Realität“ übereinstimmen, ist eine lebensnotwendige Vereinfachung. Würden wir ständig unsere Wirklichkeit in Frage stellen, resultierte daraus eine solche Verunsicherung, die uns innerhalb kürzester Zeit in einen Status der Handlungsunfähigkeit versetzte. Wir brauchen ein gewisses Maß an Sicherheit, dass das, was wir wahrnehmen, auch „tatsächlich so ist.“ Jedoch gibt es auch im Alltag zumindest Anzeichen dafür, dass andere ihre Welt anders wahrnehmen als wir selbst und dass unsere eigenen Wahrnehmungen anders sein können als die vermeintliche Realität. Jeder kennt den Satz: „Das siehst du falsch.“
Erkenntnisse der Neurobiologie belegen, dass Wahrnehmen, Sehen, Hören, Fühlen, Riechen nicht das Abbilden einer externen Realität ist. Farben sind keine Eigenschaften von Gegenständen, Farben entstehen durch Licht. Farben, die wir sehen, entstehen durch Transformationen im Nervensystem. Töne entstehen erst aus Schallwellen in unserem Kopf. Kein Objekt, kein Ding hat Eigenschaften, die es von sich aus besitzt, sondern sie werden ihm zugeschrieben. Dies trifft auch für soziale Phänomene und menschliches Verhalten zu. Wir würden alle gern in einer Welt leben, in der Dinge nur so sein können, wie wir sie sehen.Soweit so gut. Dies wird aber genau dann zu einem Problem, wenn unterschiedliche Sichtweisen, unterschiedliche Wahrnehmungen kollidieren. Im Großen wie im Kleinen

Weihnachten

Warum wir Weihnachten brauchen. Es ist nicht die Geschichte.

Es geht um uns. Warum meinen wir, uns zu keiner Zeit so oft auf Dinge hinzuweisen, die eigentlich selbstverständlich sind? Dass Geschenke erfreuen können, aber nicht glücklich machen. Dass das wichtigste was wir haben, Zeit ist, unersetzlich und unwiderbringlich. Dass wir Rückzugsorte brauchen und Menschen die wir lieben und die uns lieben. Zu keiner Zeit wagen wir uns, anderen eine Frohe (!) Zeit zu wünschen. Zu keiner Zeit wagen wir uns, so achtsam und behutsam und liebevoll miteinander umzugehen wie zu Weihnachten. Auch mit Menschen, die uns nicht so nahe stehen. Zu keiner Zeit sagt man sich so oft Danke, zu keiner Zeit schenkt man sich so viel Aufmerksamkeit. Beinahe erschütternd.

Deshalb brauchen wir Weihnachten.