Beim Zeitungslesen.

Hm. Die Verwaltung verzögert die Woba-Gründung, sagt der Fraktionsvorsitzende der Dresdner Linken Stadtratsfraktion. „Die Verwaltung“. (Repräsentanzkonstrukt als Projektionsfläche. Beliebtes Mittel politischer Profilierungskommunikation.)  Gehts auch konkreter? Dann ist es nämlich nicht mehr ganz so einfach mit schwarz weiss und es stellen sich ein paar kleine aber feine Fragen. Leider geht auch der Journalist nicht darauf ein, dass für das Thema Wohnen, Bauen und Beteiligungen (das ist der Geschäftsbereich, der sich mit städtischen Gesellschaften befasst) keine Bürgermeister des „politischen Gegners“ der Linken respektive der rotrotgrünen Stadtratsmehrheit mehr sind? Sondern jeweils den Parteien der Kooperation angehören – fürs Wohnen sogar der Linken.

Ich kenne Stadtratsarbeit so: Wenn mir irgendetwas zu lange dauerte, was wichtig war, bin ich zu den zuständigen Bürgermeistern hin. Und habe gefragt. Es sei denn – und ja, auch das kam vor, es ging mir gar nicht so sehr um schnellere Abläufe, sondern mehr um die Präsenz in den Medien.

Journalisten wissen das, aber die sind ja nun auch keine Stadtratspaten, die anleiten. Trotzdem schade, dass nicht die Frage an Herrn S. aus D gestellt wurde: Haben Sie mal die zuständigen Bürgermeister gefragt, warum das so lange dauert? (Auch hier der Hintergrund: Stadträte können manchmal der Verwaltung auch helfen wenn es irgendwo nicht weiter geht. Hätte man vermuten können in einer Gestaltungsmehrheit.) Kommunizieren Sie nicht mehr miteinander mit ihren Bürgermeistern und in Ihrer Kooperation so dass Sie dazu  die Medien nutzen müssen?“

Da ist vermutlich jemand ziemlich schmerzfrei den politischen Partnern und dem Rest der Welt gegenüber auf der Wahlkampfüberholspur unterwegs. Leider mediengestützt. Die Kooperationspartner können einem leid tun, wer politische Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.