Bauklötzer

In meiner  vorherigen Stelle (am Türschild stand irgendwas mit Kommunikation) war ich unter anderem fürs Bildungsmanagement zuständig. Klingt größer als es letztendlich war, gemanagt habe ich wenig, viel mehr beraten. Und einige Schulungen durchgeführt. In einer haben wir gespielt. Es gibt Spiele, die sind so simpel und erklären so viel.

Also spielen wir, ich möchte ja die Pointe nicht wegnehmen. Bauklötzer. Unterschiedliche Bauklötzer, die gestapelt werden sollen. Ziel: Ein Turm, der stehen bleibt. Schwierigkeit: es handelt sich zwar um Quader, jedoch sind nur vier Winkel rechte. Das heißt, die quadratischen Seiten sind jeweils schräg. Unterschiedlich schräg, so dass man genau aufpassen muss, welchen Quader man wie auf den anderen stellt. Das Werkzeug dazu: Stäbe, die über Schnüre miteinander verbunden sind. Die Schnüre treffen sich in der Mitte und in dieser Mitte ist eine Öse befestigt. Mit dieser Öse können die Quader, an denen ein Haken eingefügt ist, angehoben werden. Bild wird nachgeliefert.

Das Spiel beginnt in dem man die Teilnehmer einfach mal machen lässt. In den seltensten Fällen sind die ersten Versuche erfolgreich. Und das gehört zum didaktischen Ansatz. In meinem Fall damals ging es um die innerbetriebliche Problemlage der Teamarbeit, es gab aber auch wie wahrscheinlich in jedem Unternehmen oder in jeder Organisation einen gewissen „Standesdünkel“. Das heißt, manche Tätigkeiten galten als bedeutender und wichtiger als andere und dies schlug sich um Verhalten nieder. Als Bildungsmensch darf man einen Sozialknall haben, also wollte ich dies auch gleich unterbringen. Nun – und die Frage wenn man sich nicht einig ist übers Ziel, nicht einig ist darüber, in welchen Schritten man ein Ziel erreicht, dann zerrt jeder in eine andere Richtung (ohne dass dies jetzt abwertend gemeint ist). Jeder tut was er für richrig hält. Passiert dies nicht abgestimmt, dann wirds nichts mit der Zielerreichung.

Nun – es kam wie es kommen musste, es wurde nichts mit dem schönen Turm. Die Teilnehmer standen im Kreis, die Stäbe in der Hand, nach einigem erfolglosen Gezerre stieb der Frust. Die Bausteine waren schuld. „Die sind ja schief!“ Äh, ja, das ist Absicht.  Hm. Naja irgendwann schlug ein Teilnehmer vor, dass man sich erstmal anschaut, welche steine denn zusammen passen. Und dann versucht, in dieser Reihenfolge einen Stapelversuch zu starten (was auch nicht ganz einfach ist, denn: die Öse hängt in der Mitte und die Haken sind die Quader selbst, sie haben einen Schlitz. Die Öse muss da rein und das ist nicht ganz einfach. Wieder waren die Bausteine schuld. Die Öse blöd, der Schlitz musste schief oder zu klein sein. „Das geht doch gar nicht, da MUSS was am Baustein sein.“ Stimmt nicht. Es war nur eben das alte Problem, wenn jeder mit seinem Stab in die Richtung zerrt, von der er glaubt es sei die richtige, wird es wieder nichts. Also muss wohl oder übel einer die Führungsrolle übernehmen. Das darf von Stein zu Stein auch mal wechseln.

Der Turm stand am Ende und der Aha-Effekt war da. Und genau der erwünschte Effekt. Es geht. Aber nur dann, wenn …

Ich hatte nicht die Gelegenheit, mein Projekt zu Ende zu bringen, was im Übrigen nichts mit einer beruflichen Veränderung zu tun hat sondern eher damit, dass man an einer Unternehmenskultur nur dann arbeiten kann, wenn das wirklich gewollt ist und unterstützt wird.

Aber – das Spiel steht bei mir im Büro noch im Schrank. Und je öfter ich Kritik über die sich streitende Verwaltung lese, desto öfter kommt mir eine Idee in den Sinn, die …

Jedenfalls: Ich kann das Spiel nur empfehlen. Allerdings … das Spiel allein ändert die Welt nicht. Ist denn das Erreichen eines Ziel wirklich immer in aller Sinn? Will man denn ein Team sein? Ist ein gemeinsamer Erfolg auch immer der Erfolg jedes Einzelnen oder spielen nicht immer auch andere Interessenslagen eine Rolle? (In der Politik wird es damit schwierig). Einige Fragen muss man sich schon stellen um keine Wunder von Teambildungsmaßnahmen zu erwarten. Und mit dem Gedanken lasse ich die geneigte Leserschaft mal alleine.