Transparenz und Regeln

Allein das Zitat „Eine Organisation würde lahmgelegt werden, wenn sich alle Mitarbeiter strikt an die Regeln halten würden, die offiziellen Regeln grundsätzlich immer anwenden, auch in Situationen, in denen dies vielleicht gar nicht so angeraten ist, und auch längst vergessene Regeln wieder reaktiviert würden. Eine Organisation, die ausschließlich nach dem formalen Regelwerk handelt, würde letztlich an ihrer Rigidität zerbrechen. Nicht umsonst gilt der „Dienst nach Vorschrift“ als eine der effektivsten Streikformen“ aus: Stephan Kühl: Das Transparenzparadox- weswegen Organisationen gleichzeitig transparenter und weniger transparent werden können

ist eine Leseempfehlung für sich. Aber auch der Rest des Textes. Mir fehlt leider die Zeit der intensiveren Auseinandersetzung – deshalb einfach nur die Empfehlung: Lesen. Ganz oft ist es so dass der Ruf nach mehr Regeln laut wird. Oder einer stärkeren Überprüfung der Einhaltung, einer stärkeren Sanktionierung von Verstößen. Bei einem Fehlverhalten, bei Konfrontationen mit Ereignissen, auf die man nicht „geregelt“ reagiert hat … die Anlässe sind vielfältig. Aber: Mehr Regeln und mehr Regelüberwachung haben eben zur Folge, dass die Regeln an sich verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Nicht der Zweck, zu dem sie da sind oder gedacht waren. Schnelle Entscheidungen sind so immer weniger möglich. Flexibilität, Eigenverantwortung – Pustekuchen. Es hat eben alles zwei Seiten.

 

Wir evaluieren uns zu Tode

Lautet der Titel einer Dissertation, die sich mit  Möglichkeiten und Grenzen von Evaluationen des Online-Lernens befasst. Passiert selten (höchstens bei Luhmann), aber ich bin ja schlichtweg begeistert. Weil: Es handelt sich um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Evaluationen – zwar im Besonderen, aber es sind zumindest hypothetisch Annahmen auf das Thema im Allgemeinen möglich.

Ja, wir evaluieren, begutachten, regeln, verbestimmen, planen und konzipieren uns noch zu Tode. Sehr oft ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Wir hätten das aber gerne und noch lieber wär es uns, wenn wir durch Veränderungen der Teile unsere Wunschsumme bekämen und genau wüssten, welches Teil wie verändert werden soll damit die Wunschsumme herauskommt. So funktioniert das aber nicht – weil der Mensch nicht funktioniert. (Maschinen schließlich auch nicht immer).

Mich beunruhigt viel mehr als die Tatsache, dass nichts so wirklich planbar ist und ganz viel nur auf Vertrauen darauf beruht, dass das Morgen schon irgendwie so laufen wird, wie wir uns das vorstellen (näheres dazu vielleicht hier: ) dieses zunehmende Bestreben, alles unter Kontrolle zu bringen und die Überzeugung, dass dies überhaupt möglich ist. Das betrifft Evaluationen, das betrifft aber auch Bereiche wie Management, Organisationsberatungen und so weiter.

Deshalb an der Stelle mal ein paar Empfehlungen (die zeigen, Soziologie ist nicht langweilig)

Stephan Kühl (allein die Buchtitel „Sisyphos im Management“, „Wenn die Affen den Zoo regieren“ und“Regenmacherphänomen“ sind so wunderbar unorthodox)

Sozialtheoristen. Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung

Und hier noch was für die Bildungsmenschen:

Peter Baumgartner. Gedankensplitter. Zu Elearning und Didaktik

Gabi Reinmann

Jedenfalls: Keine Angst vor Evaluationen falls mal wieder eine droht. Man kann den Evaluatoren ja mal ein paar Fragen stellen…

 

 

Der Menschheit Würde

So lautet der Titel des Werkes, das eigens für den 50. Geburtstag der Philharmonischen Chöre komponiert wurde.

Als ich die Noten in die Hand bekam, schaute ich zwei Mal hin, irgendwie konnte ich es kaum glauben. Sofort hatte ich ein Bild vor Augen. Ein Bild einer Plane, papyrusweisse Schrift auf dunkelblauem leicht ins Petrol driftenden Grund. Sie ersetzte zeitweise die Werbung auf der Bauplane am Kulturpalast. Erstmals hing sie zu Beginn des Jahres 2015, dem Jahr nach dem Aufkommen von Pegida. In einer Zeit, in der niemand wusste, wie man mit diesem Phänomen so richtig umgehen sollte, gezeichnet von überbordender politischer Korrektheit, die in Untätigkeit ihren Niederschlag fand.

Der 13. Februar ist in Dresden immer ein besonderer Tag und die Bilder der Montagsspazierer hatten uns zusätzlich geschadet, es sollten jedenfalls andere Bilder von Dresden ausgehen. Den Krakeelern auf den Plätzen sollte etwas entgegengesetzt werden, was an das erinnert, was das Menschsein ausmacht. Damals – noch Angestellte der städtischen Tochter, deren Logo auch auf dem Banner steht, hatte ich ziemlich direkt mit dieser Aktion zu tun. Und erinnere mich sehr gut daran, dass es alles andere als einfach war, bis die Plane hing. Kann man, geht das, als städtische Tochter ein politisches Statement und welches und machen dann auch alle mit … Ich bin auf nicht viel stolz aus meiner Zeit dort, aber darauf schon: Es wurde wahr und die Plane hing.

Ich persönlich war für die Variante blau auf weiß, der Kollege aus dem Kulturamt überzeugte mich aber und es war gut so. So sah das Teil dann aus:

Quelle: Dresdner Philharmonie (Aufnahme zum Richtfest)

Weithin sichtbar über den Altmarkt. Heute ist sie schon fast vergessen, aber sie hatte es sogar in den Spiegel geschafft. Immerhin. Das war übrigens der 13. Februar an dem Helma Orosz sagte, Dresden war keine unschuldige Stadt und Dresden war nicht nur Opfer. Der Mensch ist vergesslich.

Nun – das Stück „Des Menschen Würde“ ist modern, es ist kantig, es ist eckig und es ist erstmal auf den ersten „Hörer“ überhaupt nicht harmonisch. Als Sänger liebt man sowas nur bedingt. Insbesondere, wenn die anderen Stimmen oder – noch schlimmer – das Orchester etwas ganz anderes tut als man selbst, man gegeneinander ansingt oder musiziert. Bei dem Stück aber ist es genau richtig so. Ich sehe beim Singen Bilder vor mir. Die Eröffnung des Monument. Die krakeelende bedauernswerte alte Dame, die meinte mir am 2. Oktober das Handy aus der Hand schlagen zu müssen. Die, die allwöchentlich ihren Lebensfrust damit bewältigen wollen, in dem sie Rattenfängern hinterherlaufen. Und ich sehe machmal auch den Plenarsaal. Das Orchester zeigt in Tönen das, was momentan passiert. Hier und überall. Nicht nur in Dresden – leider muss man das immer wieder betonen. Ich habe keine Ahnung ob der Komponist sich das dachte, was ich höre aus seine Werk. Das ist aber auch egal. Es passt in diese Zeit und nach Dresden so gut wie selten etwas passt.

Der Menschheit würde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie. Sie sinkt mit Euch, mit Euch wird sie sich heben.

Eine Stelle gibt es, an der wird das Stück sehr still. Nur noch ein Herzschlag ist zu hören. Eine Mahnung. Das Konzert ist fast ausverkauft. Das ist zu wenig, nur dieses eine Konzert, finde ich. Aber manchmal hat man einen Wunsch frei. Mein Wunsch ist, dass dieses Werk ein Teil von Dresdens Kultur wird.

 

Angst

Anlass für den Text – eine Pressekonferenz. Die Stadt benötigt weniger Geld für die Kosten der Unterkunft. Also Unterstützung für Menschen, die sich ihre Miete nicht leisten können. Warum der geringere Bedarf? Weil es nicht ganz so viele Menschen sind, weil weniger Menschen in so prekärer Lage leben, weil man pessimistischer geplant hat. Im Grunde steht die Stadt gut da.

Nehmen wir diese Dinge, das, was gut ist, was positiv macht, eigentlich noch wahr? Es ist eine Binsenweisheit, dass eine positive Einstellung zum Leben (damit ist keiner dieser Thinkpositiveratgebersolgans gemeint! Sondern eine realistische Weltsicht) Menschen sich anders verhalten lässt als Angst, Verunsicherung, Misstrauen.

Es wundert jedoch nur bedingt dass Unzufriedenheit sich breit macht, Misstrauen gegenüber allem was „von oben“ kommt, was auch immer damit gemeint ist, gegenüber der Presse, Politik, Fremden. Und ich bin fest davon überzeugt dass Politik und Medien hierfür einen Gutteil verantwortlich sind. Nein, das wird keine Medien- oder Politikerschelte. Sondern das Problem ist „systembedingt“. Es stehen Wahlen an, Wahlen sind ein Grundpfeiler unserer Demokratie, wir können wählen, wer unsere Politik bestimmen, wer regieren soll. Wer wählen will, muss sich entscheiden. Wer gewählt werden will, muss einen Grund liefern, warum. Vor allem wenn mit einer Wahl eine Veränderung herbeigeführt werden soll. Es muss also bewiesen werden dass der Status quo veränderungswürdig ist, dass etwas verändert werden muss, dass etwas nicht gut ist. Logisch, never change a Running System. Deshalb machen Parteien uns am laufenden Band klar, irgendwas an der Welt, am jetzt, ist schlecht. Sie machen uns auch klar, die anderen sind alle blöd, nicht vertrauenswürdig, unfähig, können es nicht, haben die falsche Strategie, führen ins Elend und  nur die für sich werbende Partei kanns, hat den Stein der Weisen,

Das hat lange funktioniert. Und ich vermute weiter, dass es bei einem Teil gewirkt hat. Das Misstrauen sitzt tief, so tief dass keiner der etablierten Parteien mehr über den Weg getraut wird, ein Teil der Leute ist aber auch die Versprechen leid. Zum einen ist ja wohl logisch dass kein Gesellschaftssystem den Himmel auf Erden und absolute Gerechtigkeit herstellt, es gibt keine Gesellschaftsform ohne Ungerechtigkeit. Aber das ist so weil Menschen eben Menschen sind. Und zwar alle samt und sonders. Zum anderen wurde bewiesen dass es für Opposition nun mal einfacher ist  zu versprechen als dann in Verantwortung diese Versprechen auch einzulösen.

Meine Stadt gilt als zerrissen. Die Verständigung zwischen dem Menschen sei gestört. Wir müssten lernen, wieder miteinander zu reden. Ja, das stimmt. Menschen sind nicht immer einer Meinung und in meiner Stadt kann man aus allem ein Thema machen was die Stadt teilt. Was dagegen tun? Manchmal, wenn ich im Stadtrat auf der Mitarbeiterbank sitze, bin ich froh, dass das öffentliche Interesse so gering ist. Kein gutes Vorbild an Diskussionskultur.

Früher gehörte ich selber dazu. Und ein Journalist verlieh mir mal den Titel Kassandra. Stimmt. Ich habe selbst die Instrumente politischer Profilierung genutzt. Und ja, damit man in der Zeitung erscheint, muss man Botschaften liefern. Möglichst drastische. Kritik. Kassandrarufe eben. Mit Lob der Verwaltung wäre ich als Schul- und Finanzpolitikerin nie ernst genommen worden. Nicht in den Medien, nicht in meiner damaligen Partei.

Wenn mich heut jemand fragt, was wollt ihr gegen die Situation tun, wie wollt ihr Vertrauen schaffen … niemand hat ein Patentrezept und manchmal verlässt mich mein Optimismus. Es wird kein Wundermittel geben. Es ist zu hoffen dass viele Menschen die Verantwortung übernehmen. Selbst übernehmen. Selbst etwas tun. Nicht nur von anderen fordern.

Demokratie ist nicht bequem, das hat aber auch niemand behauptet. Sie beinhaltet Unsicherheiten, es ist eben niemand da „der endlich mal sagen muss, wo es lang geht“. Demokratie bedeutet dass man Menschen eben nicht zu einem Verhalten oder jener Einstellung oder einer Weltsicht oder einer Lebensweise verdonnern kann.

So. Wo waren wir? Bei den Kosten der Unterkunft. Ich erinner mich an einige Haushaltsdebatten auch aus meiner Stadtratszeit in denen mindestens drei mal der Weltuntergang prognostiziert wurde, wenn nicht Summe x. Verunsicherungsfaktor 1. Eingetreten sind diese Szenarien nicht. Verunsicherungsfaktor 2 und der schlimmere von beiden. Man kann sich irren, aber irgendwann einmal werden Warnungen nicht mehr ernst genommen weil nicht unterscheidbar ist, welche sind ernst, welche nicht. Das Überzeichnen von Katastrophenszenarien führt nicht zum Nachdenken sondern eher zu dem Schluss, dass die Kassandras dieser Welt nicht ernst genommen werden  können. Wenn es nun nicht „nur“ die Opposition ist sondern um Positionen in Verantwortung, dann tut das nicht gut.

Politik hat zu lange am eigenen Ast gesägt, das Vertrauen in sich selbst untergraben. Bei den Medien ist das leider ähnlich. Dazu aber später mal.

Einfach?

Manchmal ist es schon bemerkenswert was so passiert. Es wird gekämpft dafür dass Eltern entscheiden, welche weiterführende Schule ihr Kind besuchen soll. Verständlicherweise werden Eltern immer versuchen, ihr Kind möglichst auf einen Weg zu lenken, der nach deren Auffassung der beste ist, die meisten Möglichkeiten bietet – und Bildung ist für die späteren beruflichen Möglichkeiten nun mal nicht unwichtig. Genauer gesagt der Abschluss. Nicht immer dasselbe. Abgesehen davon dass unser Bildungssystem die Abschlüsse entwertet hat natürlich die Entscheidungsmöglichkeit der Eltern die Konsequenz, dass vermeintlich weniger attraktive und aussichtsreiche Schularten abgewählt werden.  Das bedeutet: weniger Schüler. Logisch. Und logischerweise kommt nun die Forderung: Fördert die Oberschulen.

Etwas, was im Grundsatz nicht stimmig ist – und ich rede da von etwas mehr als nur die Tatsache, dass es nach Klasse 4 eine Weggabelung oder ein Sieb gibt, wird jedenfalls davon nicht besser.  Aber – wir wissen, Profilierung ist auch wichtig.

Wie man sich einen Ruf erarbeitet

Früher, also ganz früher, im vorigen Jahrtausend, da wollten meine Eltern uns Kindern Freiraum vom Stadtleben verschaffen. Ein Garten. In Weißig. Also beinahe jedenfalls, in der Nähe des Marienbades. 400 Quadratmeter Kinderparadies mit viel Wald in der Nähe und einem – meinem -Kletterbaum. Nomen est Omen, ich weiss nicht mehr was für ein Baum, aber hochklettern konnte man. Nun, es war alles schön, meistens verbrachten wir die Tage auf dem Fahrrad, im Wald, im Bad, draußen.

Es gab einen Wermutstropfen. Nicht der Maschendrahtzaun. Aber sowas ähnliches. Unsere Nachbarn ringsum hatten die Angewohnheit, neue Pflanzen direkt auf die Grundstücksgrenze zu setzen. An sich kein Problem, aber bei 400 Quadratmetern ist das doof, vor allem wenn es sich um Nadengehölze und größere Sträucher handelt. Alle Pflanzenfreunde, Stadtbegrüner, Umweltschützer und ehemalige Parteikollegen lesen jetzt mal weg. Jedenfalls schimpften die Erwachsenen ziemlich viel. Und meinten, „da müsste man mal“ … denen die Meinung sagen, die Heckenschere nehmen …

Der andere Nachbar, auch noch dienstlich mit meinen Eltern verbandelt und dummerweise eine Hierarchiestufe höher, pflegte unseren Garten gern als Weg zu nutzen. Kann man mögen, muss man nicht. Auch da – man müsste mal …

Eine ganze Weile hörte ich mir das stillschweigend an. Die Pflanzen wuchsen, der Trampelpfad verfestigte sich, die Erwachsenen regten sich weiter auf. Zu den Nachbarn aber sagte niemand was. Eines schönen Tages – ich hatte mal wieder einen Anti-Unkrauteinsatz hinter mir, habe ich Heckenpflanzen genau dahin gesetzt wo der Weg war – und griff zur Heckenschere an der Grundstücksgrenze. Fein säuberlich. Einer muss ja mal – machen was kein anderer machen möchte. Sagen was kein anderer sagen möchte. Klären, was kein anderer klären möchte.

Es gab Ärger, natürlich, aber das ist manchmal so. War mir nicht wichtig. Das Problem war bereinigt. Und das blieb so. Bis heute. So erarbeitet man sich seinen Ruf.

Clicker …

Oder auch Abstimmungstools. Man verwendet sie in Vorlesungen beispielsweise. Aber warum? Und Wozu? Man glaubte herausgefunden zu haben, dass die Verwendung dieser Clickerdinger die Anwesenheit in Vorlesungen erhöhte. Und irgendwie auch das Lernergebnis. Kann sein. Kann auch nicht sein.

Für mich (mal wieder) der Anlass darüber nachzudenken, warum manche Dinge so sind wie sie sind, so gemacht werden und nicht anders (oder gar nicht). Ist alles das, was wir tun, haben, lassen, nutzen, reden, schreiben … wirklich nötig, sinnvoll, gut für irgendwas? Diese Clickerdinger da haben einen gewissen Unterhaltungswert. Und klar ist es ganz schick, zu sehen wie Komilitonen eine Frage beantworten. (Im Stadtrat ist das nicht ganz so wichtig, da dauerts noch mit de Einführung der Abstimmungsanlage, aber ok, Politik hat nicht zwingend was mit Lernen zu tun und Unterhaltungswert hat so manche Sitzung auch ohne Abstimmungsvisualisierung).

Jedenfalls frage ich mich als Student warum  ich mit manchem Zeugs zugeschüttet werde. Und ich frage mich manchmal, warum ich manche Artikel in der Zeitung lesen muss. Was interessiert mich, wer mit wem und wer sich gerade selber feiert. Was soll das – um Herbert zu zitieren, WAS SOLL DAS? Man kann das Ganze wunderbar weiterspinnen. Ich war dienstlich mal bei einem Termin und kam überrascht zurück, was es so für (gut dotierte) Jobs gibt. Für Politikwissenschaftler! Ein Kollege sagte mir zum Trost, er sei irgendwann mal zu der Erkenntnis gelangt, es sei auch Aufgabe einer Gesellschaft, Arbeitsplätze im Sinne von Beschäftigung zu schaffen. Ja. Ist wohl so. Wie viel Beschäftigung fiele weg wenn man nach Notwendigkeit fragte und nach dem tatsächlichen Grund für Tätigkeiten, Aufgaben. Und nein, nicht nur in der Bürokratie. Aber auch da.

Nun, vielleicht ist es ja ein kleiner Stachel, dieses Warum und Wozu.  Es ist nämlich auch völlig ok, Dinge zu tun weil sie Spaß machen. Weil man es genau so möchte…

E und U oder: meine ganz persönliche Rezension

U und E. Verschiedene Welten gewissermaßen. Ernste Musik und Unterhaltungsmusik. Schon in den Bezeichnungen wird deutlich, was den Unterschied ausmacht. Ernste Musik ist was „richtiges“, das ist schwer, das muss man üben. Und Unterhaltungsmusik, naja. So oder so ähnlich. Und sicher, dass, was da heute so in der Musikszene meint sich produzieren zu müssen – Menschen Leben Tanzen Welt.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, auch in Dresden. Und deshalb war es ein wie ich finde sehr mutiges Experiment, was die Intendantin der Philharmonie sich da ausdachte. Roland Kaiser und die Philharmonie in einem Konzert.Irgendwann bekam ich die Noten in der Chorprobe. Und musste lachen. Chapeau! Was gab es nicht für Diskussionen um diesen Saal. Und als ehemalige Stadträtin kann ich das auch so offen schreiben. Habe ich es doch selbst erlebt. Wie oft wurde aus politischen und anderen Kreisen der Philharmonie hochkultürlicher Standesdünkel vorgeworfen und dass sie zwar gerne städtische Förderung in Anspruch nähme, aber sonst für den Normalbürger nicht so sehr viel übrig habe. Dem Vorurteil wurde schon zur Eröffnung sehr deutlich und erfolgreich begegnet. Und nun ein gemeinsames Konzert mit Roland Kaiser, DEM Schlagerstar, dessen Konzerte innerhalb weniger Stunden ausverkauft sind, der Zehntausende auf die Elbwiesen zieht, dem die Dresdner sogar ihre Ehrenmedaille geben wollen. Experiment geglückt und die Eröffnung vollendet. Denn: Nicht weniger der Konzertbesucher waren vorher in der Bibliothek!

Nun also. Zunächst mal wurde ich aber mit meinen eignen Vorurteilen konfrontiert. Nix mit „so ein bisschen ah im Hintergrund“. Natürlich wird bei weitem nicht so viel vom Stimmumfang abgefordert und der Text hält sich in Grenzen. Aber damit es so klingt wie es klingen soll, braucht es Übung und Konzentration.  Das, was scheinbar spontan und einfach aussieht, ist es mitnichten. Zwar tut man immer gut daran, sich nicht nur aufs Gehör zu verlassen, sondern immer dem Dirigenten und den Noten zu folgen, so ist es auf der Bühne im U-Metier durch die Tontechnik noch mal was völlig anderes.

Ein Publikum, was „mitgeht“, sich von Musik mitreissen lässt ist immer wunderbar. Man spürt auf der Bühne sehr genau wie die Stimmung im Saal ist. Für uns ist ein Publikum was still sitzt und aufmerksam zuhört, normal. Und irgendwie schien es am Anfang so zu sein dass das Publikum nicht so recht wusste, darf man in diesen neuen heiligen Hallen und mit der Philharmonie nun trotzdem richtig Stimmung machen oder ist eher gutes Benehmen angesagt? Früher oder später wars dann klar. Man durfte. Und die meisten haben auch. Ich kann nur sagen, es hat irre Spaß gemacht, mal den Job als Unterhalter auszuprobieren. Und ich würde mal vermuten, die Dresdner haben ihren eigenen David Garrett gekürt.

KuPa Historie im Fernsehen

Eine der im Film interviewten und mit der Reinigung der „Roten Fahne“ beschäftigen Studentinnen antwortete, der Sozialismus gehöre nun mal zur Geschichte Dresdens und Deutschlands und dies können man nicht verbergen.
Kunst und Architektur sind immer Teil und Spiegel der sie hervorbringenden und umgebenden Gesellschaft. Deshalb ist Denkmalschutz weit mehr politisch als man glauben möchte. Manchmal scheint mir, gerät gerade dieser Aspekt in Vergessenheit. Zum Beispiel wenn es um eine ehemalige Kantine geht, die, herausgelöst aus ihrem eigentlichen Zusammenhang, der ihren Zweck ergab, mit anderer Nutzung so irgendwie stehen bleiben soll. Eine Hülle der Hülle wegen. Aber gut. Not my Business.
Was mich am Beitrag ärgert ist, wie die verkürzte Darstellung der Dresdner Chorlandschaft. Ist nur ein Kleinigkeit, aber es gab nicht nur Pionier- und Teddywedeltrallala. Und das ist sehr sehr schade. Denn: Der Kinderchor der Dresdner Philharmonie (heißt heute noch so) und der Kinder- und Jugendchor des Pionierpalastes Dresden (heute: Mädchenchor Schloss Albrechtsberg), beide sehr oft auf der alten Bühne zugange, haben neben einer sehr intensiven Ausbildung in Musiktheorie, Rhythmik und Gesang etwas vermittelt was unserer Gesellschaft fehlt. In einem (gut geleiteten) Chor lernt man, in einer Gemeinschaft aufzugehen, ohne sich selbst dabei aufzugeben. (Zitat geklaut). Und ja, man muss sich an Regeln und sich selber im Griff (be)halten, sonst klingts halt nicht. Man lernt was fürs Leben.

Ungnädig

Zugegeben, heute ist nicht so ganz mein Tag. Vielleicht machen sich nun die letzten Wochen endgültig bemerkbar, jedenfalls finde ich es zu kalt, zu grau und überhaupt fehlt es an etwas Frohsinn.

Man soll in solchen Stimmungslagen nicht zu Hause hocken, davon wirds nicht besser. Also Stadtbummel und Cafebesuch. Das Cafe Latte Art. Mädels, Schokolade könnt Ihr. Kaffee bestimmt auch. Aber beim Tee … ne, das war nix und das liegt nicht an meiner suboptimalen Laune. Die bestaussehendste Teekarte nützt nichts wenn alle grünen Tees „aus“ sind. Oolong, angeboten als „grün“ ist nun mal kein grüner Tee, auch wenn der Milky durchaus ein wohlschmeckender ist, besonders wenns kühl ist. Bis hierher alles nicht schlimm. Aaaaaber: Bitte bitte bitte könnten irgendjemand mal in die meisten Cafes dieser Stadt die Kunde tragen, dass bei grünem oder schwarzen Tee heißes Wasser und Tee bitte getrennt an den Tisch gebracht werden?! Sonst wird es nämlich bitter für den Gast, besonders dann wenn die Lokalität gut besucht ist.  Es passte also irgendwie. Murphy lässt grüßen.

Nun bin ich manchmal – man möge es mir nachsehen – ganz froh wenn ich mal ein paar Stunden nichts höre und sehe was mit Politik zu tun hat – wobei das eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, ich formuliere es differenzierter: wenn mich niemand auf solche Themen anspricht (und das ist auch kompliziert). Was also passiert: Eine Demo. Mit bewundernswert ausdauernden Sprechchören. Am Nebentisch erst Gemurmel, dann Schweigen und dann der in Form deutlich lauterer Diskussion geführte Beweis: Demonstrationen überzeugen nur bedingt. […]

Irgendwie nicht so mein Tag. Nun kann ich den aber nicht einfach für erledigt erklären. Wär ich Pessimist, würde ich darauf wetten was einer Chorkollegin kürzlich passierte. Da ging dann mal einfach so die Toilettentür nicht wieder auf. Das ist in einer Konzertpause dann eine mittlere Katastrophe. Was gibt es noch so? Text vergessen. Noten liegen lassen. Ne Laufmasche in der letzten Strumpfhose.

Ne Leute. Pessimismus ist irgendwie doof.