KuPa Historie im Fernsehen

Eine der im Film interviewten und mit der Reinigung der „Roten Fahne“ beschäftigen Studentinnen antwortete, der Sozialismus gehöre nun mal zur Geschichte Dresdens und Deutschlands und dies können man nicht verbergen.
Kunst und Architektur sind immer Teil und Spiegel der sie hervorbringenden und umgebenden Gesellschaft. Deshalb ist Denkmalschutz weit mehr politisch als man glauben möchte. Manchmal scheint mir, gerät gerade dieser Aspekt in Vergessenheit. Zum Beispiel wenn es um eine ehemalige Kantine geht, die, herausgelöst aus ihrem eigentlichen Zusammenhang, der ihren Zweck ergab, mit anderer Nutzung so irgendwie stehen bleiben soll. Eine Hülle der Hülle wegen. Aber gut. Not my Business.
Was mich am Beitrag ärgert ist, wie die verkürzte Darstellung der Dresdner Chorlandschaft. Ist nur ein Kleinigkeit, aber es gab nicht nur Pionier- und Teddywedeltrallala. Und das ist sehr sehr schade. Denn: Der Kinderchor der Dresdner Philharmonie (heißt heute noch so) und der Kinder- und Jugendchor des Pionierpalastes Dresden (heute: Mädchenchor Schloss Albrechtsberg), beide sehr oft auf der alten Bühne zugange, haben neben einer sehr intensiven Ausbildung in Musiktheorie, Rhythmik und Gesang etwas vermittelt was unserer Gesellschaft fehlt. In einem (gut geleiteten) Chor lernt man, in einer Gemeinschaft aufzugehen, ohne sich selbst dabei aufzugeben. (Zitat geklaut). Und ja, man muss sich an Regeln und sich selber im Griff (be)halten, sonst klingts halt nicht. Man lernt was fürs Leben.

Ungnädig

Zugegeben, heute ist nicht so ganz mein Tag. Vielleicht machen sich nun die letzten Wochen endgültig bemerkbar, jedenfalls finde ich es zu kalt, zu grau und überhaupt fehlt es an etwas Frohsinn.

Man soll in solchen Stimmungslagen nicht zu Hause hocken, davon wirds nicht besser. Also Stadtbummel und Cafebesuch. Das Cafe Latte Art. Mädels, Schokolade könnt Ihr. Kaffee bestimmt auch. Aber beim Tee … ne, das war nix und das liegt nicht an meiner suboptimalen Laune. Die bestaussehendste Teekarte nützt nichts wenn alle grünen Tees „aus“ sind. Oolong, angeboten als „grün“ ist nun mal kein grüner Tee, auch wenn der Milky durchaus ein wohlschmeckender ist, besonders wenns kühl ist. Bis hierher alles nicht schlimm. Aaaaaber: Bitte bitte bitte könnten irgendjemand mal in die meisten Cafes dieser Stadt die Kunde tragen, dass bei grünem oder schwarzen Tee heißes Wasser und Tee bitte getrennt an den Tisch gebracht werden?! Sonst wird es nämlich bitter für den Gast, besonders dann wenn die Lokalität gut besucht ist.  Es passte also irgendwie. Murphy lässt grüßen.

Nun bin ich manchmal – man möge es mir nachsehen – ganz froh wenn ich mal ein paar Stunden nichts höre und sehe was mit Politik zu tun hat – wobei das eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, ich formuliere es differenzierter: wenn mich niemand auf solche Themen anspricht (und das ist auch kompliziert). Was also passiert: Eine Demo. Mit bewundernswert ausdauernden Sprechchören. Am Nebentisch erst Gemurmel, dann Schweigen und dann der in Form deutlich lauterer Diskussion geführte Beweis: Demonstrationen überzeugen nur bedingt. […]

Irgendwie nicht so mein Tag. Nun kann ich den aber nicht einfach für erledigt erklären. Wär ich Pessimist, würde ich darauf wetten was einer Chorkollegin kürzlich passierte. Da ging dann mal einfach so die Toilettentür nicht wieder auf. Das ist in einer Konzertpause dann eine mittlere Katastrophe. Was gibt es noch so? Text vergessen. Noten liegen lassen. Ne Laufmasche in der letzten Strumpfhose.

Ne Leute. Pessimismus ist irgendwie doof.

 

Was kann und darf Satire …?

Die Diskussion gibt es immer wieder, was Satire kann und darf. Häufig wird sofort „Zensur!“ geschrien. Sehr schnell. Zu schnell.  Ich weiss zwar, dass Menschen dazu neigen, empfindlich auf Veränderungen zu reagieren und  man schnell in einen Generalpessimismus a la „alles wird schlimmer“ verfällt. Vielleicht entsteht eine besondere Empfindlichkeit auch durch den Versuch, sich immer wieder bewusst zu machen, dass der Mensch gegenüber auch einer ist. Jedenfalls – ich meine, es gibt eine Grenze die nur allzu leicht überschritten wird. Ich rede von Beleidigungen.  Kommunikation (im weitesten Sinn) die herab-würdigen, gezielt das Ego (oder anders gesagt die Person) angreifen und verletzen soll. Nicht mit dem Ziel, denjenigen „besser“ zu machen, nein. Sondern der, der beleidigt, tut dies um sich selbst heraufzuwürdigen. In einer Gruppe besser dazustehen.

So wie die Ausstattung eines Bücherregales sehr viel über den Eigentümer erzählt (wobei eine umfangreiche Privatbibliothek, so gut ausgestattet sie auch sein möge, nicht sofort die logische Schließung nach sich ziehen sollte, nämlicher Eigentümer hätte das Gelesene wirklich  verarbeitet und sei dadurch automatisch ein weiser Mensch), so sagt das Verhalten und Reden über andere noch mehr darüber, wen wir da vor uns haben. (Am Rande ergänzt sei dann noch der mögliche Gap zwischen Reden und Tun).

Satireist wertvoll und manchmal der einzige Weg, auf Wahrheit aufmerksam zu machen. Sie soll dafür sorgen, dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt wenn wir den tieferen Sinn begriffen haben. Aber welchen tieferen Sinn soll es haben, eine Behinderung eines Menschen, sei er nun Finanzminister oder nicht, zum Gegenstand von Satire zu machen? (Das nur mal als Beispiel weil gerade in frischer Erinnerung.) Man mag mir nun vorwerfen auch das sei legitim. Meine Antwort? Eine Frage. Was soll gesagt werden und worum geht es denn? Man mag das Handeln eines Menschen nicht gut, nicht in Ordnung, nicht gerechtfertigt finden. Ok. Klar. Aber was bitte, was hat das mit körperlichen Merkmalen zu tun? Macht ein behinderungsfreier Körper, ein faltenfreies Gesicht, ein BMI unter 20 Handeln und Verhalten besser? Das Herstellen des vermeintlichen Zusammenhangs zwischen äußerlichen Merkmalen und Tun und Sagen und Lassen verlagert die Aufmerksamkeit und behindert die Frage nach dem Warum. Den Dingen auf den Grund gehen ist eben nicht ganz so einfach und ein wirklich intelligenter Witz – oder eine wirklich intelligente Rede braucht ein bisschen mehr als das. (Verständnis-volle Zuhörer dann allerdings auch).

Satire und Politik sind engstens miteinander verbandelt. Gewissermassen eine Symbiose. Und in beidem bewegen sich die Akteure oft auf der Grenze zwischen intelligentem Witz und plumper Selbstprofilierung auf Kosten anderer. Beides findet sein Publikum. Beides … womit wir beim nächsten Fassadenkiller wären. Auch worüber man lacht ist ein Zeichen der Person dahinter. Mir sind die Menschen am liebsten, die über sich selbst lachen und sich selbst auf die Schippe nehmen können. Weil sie zu Selbstreflektion fähig sind.

Wenn ich mal

einen Tip geben darf. Für Schlechtwettertage und Gutwettertage. Es gibt da einen Ort mit vielen echten Büchern und realen Menschen. Garantiert Selfie- und Likezwangfrei. Auf dass das Haus voll werde. Das soll es! Unbedingt! Mit sich und seinen Gedanken allein sein kann man da dennoch. In der Welt der Bücher stöbern. Lesen. Hören. Man kann da auch andere Menschen beobachten. Ich tue das sehr gern und oft. An besagtem Ort, noch lieber aber zu anderen Gelegenheiten. Die Momente abpassend an denen Fassaden kurz- oder langzeitig fallen. Bobachtungen. Das Interessanteste was es gibt, finde ich. Man lernt sehr viel wenn man beobachtet. Aufmerksamkeitstraining.

Aber zurück – ich rede von der Bibliothek. Mitten in der Stadt. Seele, Herz, Zentrum und – ein Ort mit Aus- und Weitblick. Es gibt da eine Ecke mit Sofas. Hinsetzen und aus dem Fenster schauen. Die Dinge von oben betrachten. Manchmal hilft das, die Dinge gelassener zu sehen. Das stünde uns momentan gut zu Gesicht in Zeiten der Aufgeregtheiten. Mehr Aufmerksamkeit auch. Füreinander und für das was ist.

NachLese

Es waren die leisen, der Zwischentöne. So könnte man beschreiben, was gestern zur Eröffnung des Kulturpalastes an gesprochenem Wort zu hören war. Laut, deutlich und unüberhörbar, das war die Neunte, die zeigte, was der Saal hergibt (und ansatzweise, welche Herausforderung er für die Künstler ist).

Die Rede des Bundesministers, des Oberbürgermeisters, des Literaten, des Kabarettisten – sie enthielten eindeutige, klare, ernste und mahnende Botschaften. Und die Hoffnung, sie mögen gehört.

Zu unpolitisch gewesen hörte ich am Abend eine Meinung beim Empfang. Es wäre nicht auf die Dresdner Situation, die Dresdner Kultur eingegangen worden.  Oh doch. Oh doch. Aber sowas von. (Allerdings nicht nur!) Nur – es hört eben nur der, der zuhört. Zuhören muss man wollen. Auf den anderen eingehen wollen, sich darauf einlassen. Das birgt aber ein Risiko. Man könnte ja überzeugt werden …

Deswegen wird dagegen angebrüllt. Wie auf dem Neumarkt. Oder man winkt ab weil nicht sein kann was nicht sein darf – dass aus falschem Munde – oder eines Menschen mit einem falschen Parteibuch – die richtigen Worte kommen.

 

Deja vu

Ich rechne besser nicht, wie viele Jahre es her ist. Es sind ihrer viele. Als Kind und Jugendliche sang ich im Kinder- und Jugendchor des Pionierpalastes Dresden – ja – und durchaus anspruchsvolle Literatur. Im Philharmonischen Kinderchor vorher kam ich nie wirklich an, was nicht am Chor lag, sondern es passte damals einfach nicht. Singen mit Ausdruck war nicht so sehr meins. Jedenfalls erinnere ich mich sehr gut an einen besonderen Tag, wir traten bei den Schülerkonzerten auf. Mehrere Jahre, aber irgendwann einmal war es so weit. Meine Klasse saß im Zuschauerraum – auf dem Balkon links, von der Bühne aus gesehen, und ich durfte auf der Bühne stehen. Das war etwas ganz Besonderes, nicht zuletzt weil ich da mal stolz sein durfte. Das war sonst im Schulalltag nicht ganz so, aber das ist ein anderes Thema.

Was das mit heute zu tun hat? Heute hat „mein“ Chor – der Philharmonische – die Orchesterprobe im Kulturpalast. Die Generalprobe der Generalprobe zum Festakt. Und da werden heute und morgen Kollegen im Zuschauerraum sein. Zum Festakt auch, aber der ist für mich ganz persönlich gar nicht wichtig.

Meilensteine

Ein paar Tage noch dann wird das zweite grosse Haus seine Türen öffnen. Das eine wie das andere Heimatstätten der Kunst, jedes auf seine Weise, Bühnen, ironischerweise Schauspiel und Gesang, haben etwas symbolhaftes. Jeder Mensch findet wohl solche Dinge in seinem Leben. Kulturpolitik war nie mein Thema und dennoch hatte ich viel mehr damit zu tun als mit den Themen, mit denen ich mal mit meinem politischen Engagement anfing.  Beschluss, Grundstein und Eröffnung. Jedes aus einer anderen Perspektive. Dennoch oder gerade deshalb sehr nah dran. Es steckt mehr eigenes Herzblut drin als ich je vermutete. Als Ergebnis ein Konzentrat an Erfahrungen. Über Rollenspiele, Fassaden, Ehrlichkeit, Loyalität, Vertrauen und über das Hinauswachsen über sich selbst.

Spiegel

In einer aktuellen Ausstellung im Lipsiusbau ist ein Objekt ein Foto eines Joggers, der läuft und dabei einen großen Spiegel vor sich her trägt. Eine Kommentierung der digitalen Selbstdarstellung, die uns verändert. Eigentlich.
Wir sollten solche Spiegel an einigen Plätzen dieser Stadt aufstellen. Zur Selbstbeobachtung. Nicht Selbstdarstellung. Wie sehen Menschen aus im Streit, mit hassverzerrten Gesichtern, wie ist es wenn man sich selbst dann sieht? Vielleicht hülfe dies mehr als alles Belehren …

Was die Welt im Inneren zusammenhält …

Verregneter Sonntag und eine Hausarbeit für den Master vor der Nase (auf dem Rechner) schweife ich immer mal ab und prokrastiniere. Mit Ausflügen in die Sozialen Medien. Sehe da so komische Bilder. Ich weiß nicht recht, kommen sie aus solchen Massencoachings wo sich alle ganz toll fühlen und „tschakka – wir- können das“ rufen oder sind das Veranstaltungen von walmart oder Fanveranstaltungen … Oh. Moment, ich hatte die Brille abgesetzt. Es sind Parteitage! Oh. Ja. Hm. Vor mir liegt grade eine Reise in die (Studiums)Vergangenheit. Der Bildungsmaster braucht etwas Soziologie weil es um Kommunikation in Gruppen geht.

Bernhard Schäfers. Hauptbegriffe der Soziologie. Grundlagenlektüre für jeden Soziologen. „Eine soziale Gruppe umfasst eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern (Gruppenmitgliedern), die zum Erreichen eines gemeinsamen Zieles (Gruppenziel) über längere Zeit in einem relativ kontinuierlichen Kommunikations- und Interaktionsprozess stehen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit (Wir-Gefühl) entwickeln. Zur Erreichung des Gruppenziels und zur Stabilisierung der Gruppenidentität ist ein System gemeinsamer Normen […] über ein gruppenspezifisches Rollendifferential erforderlich. […] Das „Wir-Gefühl“ der Gruppenzugehörigkeit und des Gruppenzusammenhalts führt zur Unterscheidung der „Eigengruppe“ von der „Fremdgruppe„. “

Schäfers definiert zwar für soziale Gruppen eine „Obergrenze“ von 25 Personen, jedoch gilt für das Kleine Gleiches wie für das Große. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Unterscheidung und Zusammenhalt. Institutionen und Organisationen nutzen genau diese Mechanismen perfekt. Parteien „schwören“ sich auf Wahlkämpfe ein wie eine Fussballmanschaft vorm Pokalfinale. Wirtschaftsunternehmen setzen auf das Wir-Gefühl, auf die Identifikation mit dem Unternehmen.

Ich schaue wieder ins Netz und sehe die Selfies mit den entsprechenden Bildunterschriften. Wo bleiben die Inhalte? Die echten meine ich…

Mist. Ich hab das doch gelernt. Ums Wir-Gefühl geht es. Und um die Unterscheidung von anderen. Da gibt es nämlich eine Korrelation. Letztlich eine Existenzfrage.

 

Flughäfen. Oder: Klischees die keine sind – oder doch – nur anders.

Irgendwie wird Bauen immer teurer wenns die öffentliche Hand tut. Las ich in einem Kommentar auf einen Artikel einer Dresdner Tageszeitung. Warum ist das so? Muss das so sein? Da kam ein wirres Knäuel an vermeintlichen Ursachen. Die Ämter wieder. Oder so. Aber warum scheint es so als seien öffentliche Bauvorhaben ein Fass ohne Boden?

Liegts an den Planern, an Vergaberichtlinien, an der generellen Unfähigkeit, die der Verwaltung sowieso eigen zu sein scheint, glaubt man der „öffentlichen Meinung“? Ich habe mich als Stadträtin mit genau diesem Thema befasst (was zur Folge hatte, dass der damalige Leiter des Hichbauamtes nicht mehr mit mir sprach) und wenn ich solches Zeug lese kommt doch der Wissensmissionar durch.
Erstens stimmt das mit dem generellen Teurer-werden wenn die öffenbtliche Hand baut so nicht ganz. Kosten eines Bauprojektes können immer aus dem Ruder laufen. Der Unterschied: wenns in der Privatwirtschaft passiert, fällt das seltener auf. Da geht eben der Bauherr insolvent und manchmal kommt ein neuer, der dann aufkauft. Oder es bleibt eine Bauruine bis in alle Ewiggkeiten stehen. Die sieht man dann auch. Der zweite Unterschied: bei öffentlichen Bauvorhaben verderben viele Köche den Brei und reichen sich den Hut der Verantwortung gegenseitig zu. Irgendwann fällt dann auch der in den Topf mit rein.

Halten wir aber fest: Das müsste aber keinesfalls so sein. Es gibt Ursachen die nicht gottgegeben sind und kein Naturereignis. Und man muss auseinanderhalten, was sind wirklich Steigerungen der Kosten und was nicht. Übersetzt: wenn ich eine Anschaffung einer – sagen wir mal Waschmaschine – plane aber zu Beginn von falschen Preisen oder einer zu niedrigen Ausstattung ausgehe, mich dann aber vom Verkäufer zu einer (hust) überreden lasse, ist die Waschmaschine selbst nicht teurer geworden. Ich habe mir schlichtweg was anderes angeschafft als geplant. Dabei ist es völlig egal ob ein Amt baut oder eine Gesellschaft. Es geht immer darum zu entscheiden, was hat Priorität, was will man haben und was kann man ausgeben. Der entscheidende Punkt also. Es sind immer diese lästigen Entscheidungen.
Fangen wir aber mal ganz am Anfang an. Wenn die öffentliche Hand irgendetwas baut, gibt es ein „öffentliches Interesse“ (beziehungsweise die Entscheidung, dass es von öffentlichem Interesse sei, dass dieses Bauvorhaben umgesetzt wird). Von allein wird kein Bauvorhaben begonnen. Es geht dabei nur ganz selten um „einfache“ Bauvorhaben. Es können sein, ein Rathaus, ein Haus für die Kultur, eine Schule, ein Krankenhaus. Oder eine Brücke. Oder eine Straße. Es ist nun keine Selbstverständlichkeit in der Politik, dass sich immer alle darüber einig sind, was von öffentlichem Interesse ist. Weil es – wie immer im Leben – um Geld geht, was natürlich nie reicht. Das wird auch immer so sein. Logisch. Wer glaubt (oder glauben macht) dass man allen Interessen nachkommen könne und alle Wünsche auf einmal realisierbar seien hat was geraucht, ist naiv oder im Wahlkampf.

Die Kostenprognose

Halten wir fest, als erstes muss entschieden werden, Bauprojekt XY ist von öffentlichem Interesse, wichtig, nötig und genau jetzt. Nicht später. Einher geht meistens damit schon die Frage nach den Kosten. Und hier ist eine Quelle der Kostensteigerungen in Nachgang. Manche dieser vermeintlichen Steigerungen sind nämlich gar keine wie noch zu zeigen sein wird.

Niemand baut selbst. Sondern es wird ein Architekt bzw. Büro beauftragt, manchmal schließen sich auch Architekten und verschiedene Büros zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Es gibt bei einem Bauvorhaben verschiedene Leistungsphasen (nach HOAI) und entsprechend dieser Phasen steigt die Klarheit darüber, was der ganze Spaß am Ende kostet. Es sei denn, man hat einen Generalübernehmer mit dem man einen Gesamtvertrag abschließt mit einer Auftragssumme und es liegt dann in der Verantwortung (und im eigenen Interesse) des Generalübernehmers, diese Kosten einzuhalten (sonst geht der nämlich Pleite  – aber dagegen hat sich Dresden entschieden. Ein solcher Vertrag ist aber auch nur die Weitergabe der Verantwortung und des „Entscheidungsortes“.

Zurück zu den Phasen, die da wären:
1. Grundlagenermittlung – die der eigentlichen Planung vorgeschalteten Maßnahmen und Überlegungen (Klären der Aufgabenstellung, Beraten zum gesamten Leistungsbedarf, Bestandsaufnahme, Standortanalyse)
2. Vorplanung mit Kostenschätzung
3. Entwurfsplanung und Kostenberechnung
4. Genehmigungsplanung –
5. Ausführungsplanung
6. Vorbereitung der Vergabe, einschließlich Ermitteln der Mengen und Aufstellen von Leistungsverzeichnissen
7. Mitwirkung bei der Vergabe inklusive Kostenanschlag
8. Objektüberwachung – Bauüberwachung und Dokumentation
9. Objektbetreuung
Zwischen einer Kostenschätzung und der Kostenberechnung kann eine große Spannweite liegen. Das mag zunächst ziemlich absurd klingen, aber beispielsweise eine Schule ist kein Einfamilienhaus und in aller Regel werden auch keine „Wiederverwendungsprojekte“ gebaut. UND – es gibt noch die Besonderheit der Nutzer. Meistens ist es so dass die künftigen Nutzer sehr lange auf dieses Bauprojekt warten mussten und bis dann nach einen Neubau ein Umbau, eine Modernisierung oder ähnliches folgen könnte, kann viel Zeit vergehen. Heißt also, wie im ganz normalen Leben auch, dass die künftigen Nutzer schon gern ein neues Domizil hätten was lange schön und modern und nutzbar bleibt.
Meistens werden die nötigen politischen Beschlüsse nach der Grundlagenermittlung oder nach der Vorplanung mit Kostenschätzung gefasst. Manchmal auch nach der Entwurfsplanung wenn schon eine Kostenberechnung vorliegt – aber auch dann können sich Baukosten ändern. Wenn nämlich Pläne geändert werden. Je später desto teurer wird das ganze dann. Logisch.
Die Frage ist – wie genau will Politik denn die Zahlen wissen? Erinnern wir uns – eine Entscheidung ist nötig. Und nicht immer sind sich alle einig, besonders weil es immer ums Geld geht. Um es kurz zu fassen: Ein beliebtes Mittel der Wahl ist, Kosten optimistisch zu sehen wenn man will, pessimistisch, wenn man nicht will. Die Wahrheit liegt dann meistens in der Mitte. Aber aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Versuche, einigermaßen realistisch an solche Entscheidungen heranzugehen, gerne mal ideologisch abgebügelt werden. Die, die wissen wollen, was sie entscheiden, die Unterlagen lesen, sind eher weiße Raben.

Ansprüche – die nöchste Entscheidung

Spinnen wir mal weiter. Wir haben also einen Beschluss. Der kann eine Obergrenze festgelegt haben. Meistens ist das so. Aber nun kommt es darauf an, die auch einzuhalten. Da gibt es wie schon benannt, die (durchaus berechtigten) Anliegen der Nutzer. Man kann trefflich drüber streiten, was notwendig ist und was nicht. Da gibt es auch noch solche Dinge wie städtebauliche Belange, Denkmalschutz und so weiter. Es sind nicht immer die Pädagogen, die Schüler oder die Architekten, die das Besondere wollen. Manchmal ist es auch die öffentliche Hand selber. Was fehlt, ist eine Diskussion darüber – und ich behaupte, die wird bewusst umgangen. Wie wir so viele Diskussionen darüber umgehen wie wir leben wollen in einer Stadt, einem Land. Es kann also sein, dass Ansprüche an ein Bauprojekt mit den geplanten Kosten nicht umsetzbar sind. Ansprüche der öffentlichen Hand selbst, die Ansprüche der Nutzer. Und da sind wir wieder beim Thema Verantwortung. (Damit meine ich nicht die Nutzer sondern ich meine die der Politik. Es müsste dann nämlich, wenn nach dem Beschluss während des Bauens irgendetwas auftaucht, was die Kosten verändert, wieder entschieden werden, will man das oder will man das nicht. Das scheut man aber. Entscheidungen könnten dauern, politische Debatten sind immer irgendwie schwierig. Kostenkontrolle öffentlicher Bauvorhaben wäre hier ein Zauberwort. Der weiße Rabe klappert mit dem Schnabel.

Vergaben – und wieder wird entschieden

Irgendjemand muss den Bau ausführen, dazu gibt es Ausschreibungen und Vergaben. Manchmal sind Leistungsverzeichnisse nicht vollständig, manchmal werden falsche Mengen berechnet (es ist schon ein Unterschied ob man 10 Meter Kabel braucht oder 10 Kilometer). Nach einer Vergabe sieht es zunächst gut aus, dann kommt aber ein Nachtrag. Und das ist eine Gemengelage die schwer auseinanderzunehmen ist. Firmen kämpfen um Aufträge, Vergaberichtlinien zwingen die öffentliche Hand dazu, den günstigsten Anbieter zu nehmen. Ich habe meine Zweifel ob man hier einen Königsweg finden wird.

und das Sonstige

Das sind dann unvorhergesehene Dinge. Bei Neubauten kann das irgendwas mit dem Baugrund sein. Bei Sanierungen – man steckt eben nie richtig drin. Manchmal spielt das Wetter nicht so mit, manchmal gerät eine der beteiligten Firmen in Schwierigkeiten.
Und am Ende verlassen sich doch immer alle darauf, dass das Geld schon irgendwie da ist, es ist ja immer irgendwie da. Auf wundersame Weise. Oder hat wer schon mal eine Bauruine der öffentlichen Hand gesehen (noch ist der BER ja keine …) Dass Politik eingreift wenn die Kosten steigen ist ziemlich selten. Das wäre ja etwas zunächst gefühlt destruktives. Macht niemand gern.